Der erste Schultag

von | 30. Mai. 2021 | Alle Rezepte

Vor mir liegt mein ‘Töni’.
Mein Schultornister hat die letzten Jahrzehnte in irgendwelchen Zügelkisten überstanden und ist mir brav gefolgt.

Nun liegt er vor mir und ich erinnere mich. Damals, vor gut 52 Jahren begann die Schule noch im Frühjahr. Es passte einfach, so wie es war.
Zum ersten Schultag gehörte natürlich der Tornister.
Mein Schulthek lag auf dem Stubentisch, als ich vom Spielen nach Hause kam.
So wie er heute zerschlissen ist, mit geplatzten Nähten und abgewetztem Fell, glänzte er damals nigelnagelneu.
Die Klappe war mit glänzendem Fell bezogen. Auf der einen Seite schimmerte es hell, auf der anderen Seite dunkel. Wenn man das Fell nach unten strich, glänzte es noch mehr, wenn man nach oben strich, war es matt. Die Nähte rundherum waren mit Lederbändern zusätzlich sauber vernäht. Auf der Rückseite waren Lederriemen und Schnallen angebracht, um den Tornister auf dem Rücken zu tragen. Ich liebte meinen Thek vom ersten Schultag an.
Und er begleitete mich sechs Jahre. Wie oft flog er in die Ecke, wenn ich nach Hause kam.
Dann stand er wieder voller Geduld neben meinem kleinen Tisch und wartete, bis ich meine Hausaufgaben erledigt hatte.
Und ich weiss noch, dass ich ihn einmal nach dem Wochenende nicht mehr fand.
Am Samstagmorgen nach der Schule kam ich anscheinend wie immer im ‚Schuss‘ nach Hause und wollte möglichst schnell nach draussen zu meinen Freunden.
Den Thek verstaute ich irgendwo zwischen Restaurant, Küche und meinem Zimmer. Am Montagmorgen dann die grosse Unruhe. Der Thek war nicht mehr aufzufinden.
Wurde er vielleicht sogar gestohlen?
Ich musste doch wirklich, damals bereits in der dritten Klasse, ohne meine Schulsachen in die Schule.
War das peinlich!
Und es geschah ausgerechnet bei Fräulein Wagner. Bei ihr war ich eh das schwarze Schaf. Wirtesohn, protestantisch und zugezogen. Das waren keine guten Voraussetzungen für ein harmonisches Verhältnis mit dieser Lehrerin. Besser wäre gewesen, katholisch, Bauernsohn und jeden Sonntag in der Kirche. Das Einzige was half, war ab und zu ein ‘Zwanzigräppler’ in die nickende Figur auf ihrem Pult zu stecken. Dann bekam ich sogar auch mal ein Heiligenbildlein.
Nun, das löste mein Problem nicht. Der Schulthek war unauffindbar.
Irgendwann im Lauf des Tages, als meine Mutter die Wäsche bügelte, kam der vermisste ‘Töni’ dann zum Vorschein unter dem grossen Haufen frisch getrockneter Wäsche, die über einer Stuhllehne hängte und eben auf diesem Stuhl lag der Thek, wo er natürlich absolut nicht hingehörte!
Nach sechs Jahren musste er dann einer schwarzen Mappe weichen. Denn in der Sekundarschule trugen wir unsere Bücher nach jeder Schulstunde nach Hause und dazu war der Tornister zu klein geworden.
An meinen ersten Schultag habe ich einige wenige Erinnerungen.
Ich weiss, dass mich meine Mutter begleitete, und ich glaube mich zu erinnern, dass sie dann nach der ersten Stunde wieder nach Hause ging.
Mit Stolz trug ich den Tornister. Darin hatte ich das braune Etui mit den Caran d’Ache Farbstiften, einigen Bleistiften, Spitzer und einem Radiergummi verstaut.
Ein Geha Tintenfülli kam erst später dazu.
So spazierten wir an der grossen Wiese vorbei Richtung Kälblistall. Denn nur noch ein paar Meter der Schulstrasse entlang und schon waren wir beim Schulhaus.
Die erste Primarschulklasse absolvierte ich in Schwarzenbach bei Fräulein Vögeli.
Fräulein Vögeli war nett. Wir durften unseren eigenen Platz aussuchen.
Auf jeder Schulbank lag ein grosser Karton als Schreibunterlage. Wer konnte, durfte seinen Namen oben rechts mit Bleistift drauf schreiben.
Nach meiner Erinnerung ging ich danach auch wieder nach Hause, was sicher nicht so war, doch ich weiss es schlicht und einfach nicht mehr.

Wir erleben heute auch so etwas, wie unseren ersten Schultag.
Endlich dürfen wir wieder Gäste empfangen. Wir freuen uns von ganzem Herzen auf Sie alle.

Alle Reservationen wie immer online.

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Vorläufig werden wir weiterhin Montag – Freitag Take Away und Home Delivery anbieten. 

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Schenken Sie auch weiterhin Freude mit feinem Essen und Gastlichkeit! 

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Ein bisschen nervös, wie vor dem ersten Schultag.  
Ihr 

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