Jubiläum –

von | 3. Nov.. 2019 | Journal

Vor etwas über zehn Jahren stand ich zum ersten Mal in der Küche im Rias.

Es war ein sonderbares Gefühl. Ich muss und musste unwillkürlich lächeln – heute und damals!

Ich kam aus einer schwierigen Lebenssituation.

Über einen Freund im Appenzellerland hatte ich erfahren, dass Doris Specogna für ihr Restaurant Rias in Kloten einen Koch suchen würde. So fuhr ich also aus dem Toggenburg in die grosse, weite Welt – nach Kloten, um mich hier mit ihr zu treffen.

Kurz danach, nämlich genau am 1. November 2009, stand ich dann im Rias am Herd. Als Koch, zusammen mit einer Abwäscherin, rüstete ich Salat, schrubbte täglich den Boden und machte alles, was ein Koch so zu tun hatte.

Es war noch nicht so viel los!

So sass ich abends manchmal hinter dem Haus und schaute den Flugzeugen beim landen zu. Dabei dachte ich mir, woher diese Menschen wohl alle kommen würden?

Dann lief das Geschäft besser und ich wurde zum Geschäftsführer und Küchenchef befördert.
Ich legte mich mächtig ins Zeug, gab Gas. ‚Wine und Dine’s‘ kamen hinzu und die erste Gourmet Metzgete. Ich durfte als Privatkoch bei lieben Gästen zuhause kochen und trat an der Gourmesse auf.
Einige Zeit später, am 1. Oktober vor drei Jahren, bekam ich die Möglichkeit, das Restaurant als Pächter zu übernehmen.

Es war viel passiert in dieser ganzen Zeit. Ein Geschäftsmann aus Kloten gestand mir letzte Woche während der Metzgete, dass man mir vor zehn Jahren kein Jahr gegeben hätte…

Diese Worte haben mich schon nachdenklich gemacht. Denn neben dem, dass manch ein Mensch oft ziemlich gnadenlos alles besser weiss, sind die Meinungen schnell und über Jahre gemacht. Doch das Gastgewerbe braucht kein Marketingkonzept, das mit grossem Brimborium vorgestellt wird, Es sind tausend Dinge richtig zu machen, die der Gast bewertet von der Begrüssung bis zur Verabschiedung!

Und diese Dinge brauchen Leidenschaft. Leidenschaft setzt sich zusammen aus Leiden und Schaffen.

Einstein, einer der grössten Physiker und Forscher, sagte einmal: Erfolg besteht zu 99% aus Transpiration und zu 1% aus Inspiration. Ich füge hinzu, dass das eine Prozent Talent ist. Dazu kommt Fleiss, Disziplin und Ausdauer.

Ich versuche, jeden Gast persönlich zu verabschieden. Jeden Tag stehe ich selbst am Herd mit einem Kochlehrling und einer Allrounderin und jeder Teller, der meine Küche verlässt, trägt meine Handschrift.

In den letzten zehn Jahren sind viele Gäste zu Freunden geworden.

Dieses Jahr durfte ich mit einer renommierten Zürcher Firma ein Kochbuch als Kundengeschenk realisieren. Und wenn ich auswärts als Privatkoch engagiert bin, dann ist das Rias geschlossen. Ich bin voll und ganz für meine Gäste da. Wenn das Rias offen ist, stehe ich in der Küche!

Ich habe es verpasst, mein Jubiläum zu feiern. Doch letzten Donnerstag stand Doris Specogna im Rias, strahlte mich an und gratulierte. Was für eine wunderbare Überraschung!

Ein Grund, mit Freude in die Zukunft zu blicken, mit einem Songtext von Udo Jürgens:

Heute beginnt der Rest deines Lebens – Jetzt oder nie und nicht irgendwann! – Schau‘ auf dein Ziel kein Traum ist vergebens – Heut‘ fängt die Zukunft an! – Von jetzt an Freiheit wagen –
Heuchelei nicht ertragen – Das Glück erfassen – Statt nur suchen nach mehr – Fünf einmal grad sein lassen – Nicht in Tabellen passen – Und um die Wahrheit kämpfen – Tun, was man will – Und wollen, was man tut – Ob jung oder alt  – Gilt unsre Devise

Wenn das Reservationssystem anzeigt, dass wir ausgebucht sind, dann habe ich erreicht, was ich will: Wir haben einige der tausend Dinge richtig gemacht!

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