Los Angeles und San Diego

von | 7. Mai. 2022 | Pacific Crest Trail PCT

Landeanflug über die Gebirge der Mojave Wüste an die Westküste. Ich hatte zwar vier Sitze für mich, doch kein Fenster. Doch von Weitem konnte ich einen Blick auf die Berge erhaschen, die ich dann in ein paar Wochen durchwandern würde.

Touchdown am Tom Bradley International Airport in Los Angeles. Was für ein Gefühl! Noch nie in meinem Leben war ich so weit weg von Zuhause. Aufgeregt wie ein kleiner Junge sammelte ich meine Siebensachen zusammen und gesellte mich zu den wartenden Passagieren in den Gängen.

Einwanderungskontrolle: Mein Puls geht in die Höhe. Habe ich alles richtig gemacht? Sind meine Papiere in Ordnung? Vor mir müssen die Einreisenden die Finger scannen. Der Officer schaut sich meinen Pass an, lächelt vor sich hin: Warum ich in die USA wolle und wie lange. Ich erkläre ihm, dass ich den Pacific Crest Trail wandern will. Er lacht mich an und meint. ‘But there, er tippt auf meinen Pass, ‘there are also beautiful mountains! Happy Trail!’

Mein Pass ist abgestempelt und ich darf bis zum 4. November 2022 in der USA bleiben!

Es ist ein unglaubliches Gewusel auf diesem Flughafen. Mein Rucksack drehte schon lange und einsam seine Runden auf dem Gebäckband. Ich entfernte die Plastikfolie, schwang dem Rucksack auf meinen Rücken und laufe einfach mal den Leuten nach. Zollkontrolle alles steht auf grün, niemand will was von mir!

Wo sind nun die Rental Cars?

Irgendwann checke ich, dass ich auf einen Bus muss, der mich zu Alamo bringt. Also, rein in so einen Bus, der gross mit Alamo angeschrieben ist. Keine Ahnung, ob ich damit ankomme? Während der Fahrt tracke ich mit meinem Handy den Weg und siehe da nach einigen Minuten schreit die Busfahrerern: , Alamo’ So haben wir das gerne. Eine Dreiviertel Stunde später stehe ich vor meinem Ford Mustang Cabriolet.

Ich schmeisse meinen Rucksack auf den Rücksitz und öffne das Verdeck. Erleichert studiere ich das Auto. Es gab nämlich noch einen Schreckmoment.

‘Your driver’s license is not valid in the United States!’

Die nette Dame am Counter hatte des Ausstellungsdatum des Züricher Strassenverkehrsamtes von diesem Jahr als Prüfungsdatum angenommen. Ich musste damals den medizinischen Test für die Lastwagenprüfung machen und es gab eine Änderung. Ich machte sie dann darauf aufmerksam, dass ich den Ausweis, wie auf der Rückseite vermerkt, seit dem 30. März 1980 besitze. Und dass ich sogar ‘Fire Engines’ fahren dürfe. Die holte ein dickes Buch hervor, konsultierte eine Vorgesetzte und dann war plötzlich alles in Ordnung.

Schon bald fuhr ich durch die Strassen von Los Angeles. Ich war erschlagen und begeistert gleichzeitig. Natürlich war mir nicht klar, dass mein Hotel eine Stunde vom Flughafen entfernt war. Doch Zeit würde für mich in den nächsten Monaten Nebensache sein. Dann kam ich beim Hotel an. Fix und fertig stieg ich in die Dusche, legte mich ins Bett und war zwei Stunden später wieder hellwach.

Meine Erkältung machte mir immer noch zu schaffen. Ich hustete und gleichzeitig spürte ich nun, dass mein Körper noch in einer anderen Welt war. Doch Amerika hatte mich ein in seinen Bann gezogen. Abends hatte ich das Auto am Valet abgegeben. Eine wunderbare Erfindung. Das Hotel sonst ist zum Vergessen, alt und am zerfallen.

Ich schwang mich hinter das Steuer, liess das Verdeck noch zu. Auf Google Maps hatte ich mir eine Route durch Los Angeles zusammengestellt. Ich stellte fest, dass Hollywood in der falschen Richtung lag.

Also Richtung Pazifik. Long Beach. Es war noch früh und alle Geschäfte waren noch geschlossen. Also cruiste ich Richtung San Diego. Immer auf dem Highway N 1. Wahrscheinlich ein halbes Dutzendmal machte ich halt, schaute den tausenden Surfern zu, für die keine Welle zu grosse war.

Riesige Wohnmobile standen am Strassenrand auf riesigen Parkplätzen. Kurz vor San Diego beobachtete ich wie sechs riesige Hubschrauber der Army ein Kriegsschiff auf dem Pazifik beluden.

In San Diego suchte ich mein Motel. So eine Abstiege hatte ich noch nie gesehen. Vier Gebäude wurden von drei riesigen Autobahnbrücken schlichtweg überfahren. Also die Autos fuhren über den Dächern des Motels. Krass! Daneben fuhr jede halbe Stunde ein Zug, der sich mit schrillem, lautem Pfeifen ankündigte.

Nun, ich wollte einfach duschen und schlafen.

Am Samstag war Einkauf im R.E.I und im Wallmart geplant. R.E.I wurde mir als unglaubliches Outdoor Shopping Erlebnis angekündigt. Doch, liebe Amis, ich muss euch sagen, Transa in der Schweiz ist besser!

Zurück in meinem Zimmer versuchte ich mich zu organiseren. Alles , was ich nicht brauchte schickte ich an die Tante meiner Traumfrau nach Colorado und dann war mein Rucksack gepackt.

Doch was war das? Viel zu schwer!

Nun konnte ich es nicht mehr ändern. Am folgenden Morgen würde ich mit diesem Rucksack auf die grosse Reise gehen.

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