Losglück

von | 24. Nov.. 2019 | Alle Rezepte

Losglück

Die einen wünschen sich einen Lottosechser. Ich bin glücklich über mein Losglück für den Swissman Extrem Triathlon. Ja, es ist so. Ich habe erneut einen Startplatz gewonnen!

Ich werde also am 20. Juni 2020 um 04:00 erneut am Schiffsteg in Ascona das Passagierschiff, das die 250 Athleten aus der ganzen Welt auf die Brissago Inseln schippern wird, besteigen.

Dann geht das Abenteuer von Neuem los.
From the palm trees to the eternal ice!
Von den Palmen zum ewigen Eis, so umschreiben die Organisatoren den extremen Triathlon von Ascona auf die kleine Scheidegg.

4 km schwimmend, 180 km mit dem Rennrad über die Pässe Gotthard, Furka und Grimsel mit 3’700 Höhenmeter und dann der Marathon in den Laufschuhen über 42 km und 2000 Höhenmeter von Brienz, dem schönen See entlang, nach Wilderswil, Grindelwald und hoch auf die kleine Scheidegg.

Warum ich mir das antue?

Das habe ich mich so noch nie gefragt. Es war schon immer so. Ich bin abenteuerlustig, manchmal einfach ein verrückter Kerl.

So hatte ich in den Sommerferien vor 44 Jahren einmal die Idee, das ich doch mit den Velo an den Seealpsee fahren könnte!

Es gab einige Probleme zu lösen. Ich hatte kein gescheites Fahrrad. Da stand ein alter Militärgöppel in der Garage oder mein Jugendrad. Doch entweder waren die Reifen platt oder das ganze Vehikel war kaum gewartet. Ich war überhaupt nicht trainiert und eigentlich wusste ich gar nicht, wo ich da durchfahren musste.

Doch ich hatte einen Traum, eine Idee und sah mich bereits auf dem Seealpsee das einzige Ruderboot, das man dort mieten konnte, durch das Wasser steuern.

Zusammen mit unseren Eltern waren wir nämlich einige Tage bevor ich diese Idee hatte,  mit dem 1954er Willys Jeep CJ-3B nach Wasserauen getuckert. Dort trug uns die Seilbahn über die steile Felswand auf die Ebenalp.

Gemütlich wanderten wir zum darunter liegenden Berggasthaus Äscher, das damals wirklich noch ein Geheimtipp war und es noch die beste Rösti gab. Wir bewunderten die Kapelle des Wildkirchli, die in den Felsen hinein gebaut war, dann schlängelte und kurvte der Weg dem Hang entlang, gesäumt von Enzian, Alpenrosen und bunten Wiesenblumen zum Seealpsee.

Da lag das Ruderboot!

Man könne es mieten, sagte man mir. Und wenn man wolle, könne man im See auch baden. Im kristallklaren Wasser schwammen riesige Forellen, die sofort davon zischten, wenn wir auch nur die kleine Zehe ins Wasser steckten.

Das Bild des Ruderbootes liess mich nicht mehr los und so kam es, dass ich den Freunden Martin und René telefonierte, ob sie denn auch Lust hätten, eine Velotour zu machen. Mein kleiner Bruder Walter war eh dabei und am nächsten Tag um zehn ging es los.

Über Schönengrund, Waldstatt, Hundwil und Appenzell gelangten wir nach Wasserauen. Die Strasse, mal steil, mal flach, zum Glück auch mal runter, verlangte alles an Kondition, was wir hatten.

Am Bahnhof, Endstation der Appenzeller Bahnen, stellten wir die Velos ab. Abgeschlossen haben wir keinen der Göppel, denn ein Velo klauen, das gab es im katholischen Appenzell Innerrhoden nicht!

Wir wanderten aufwärts auf der geschotterten Strasse zum Seealpsee. Die Berge rundherum zeigten sich in ihrer ganzen Grösse und die Spiegelbilder im See liessen die ganze Pracht noch majestätischer erscheinen.

Ich musste einige Mal leer schlucken, so gross waren diese Berge.
Dann deponierten wir unsere Kleider am Ufer und sprangen in den kalten Bergsee. Puuuufffff, hchmmm, war das kalt, der Atem blieb einfach kurz weg.

Irgendwann mieteten wir uns dann das einzige Ruderboot und lenkten es in die Mitte des Sees, wo wir die ganze Bergwelt um uns herum mit grossen Augen betrachteten.

Dann setzten wir uns ins Gras am Ufer und genossen das mitgebrachte Picknick aus dem Rucksack. Die Sonne trocknete unsere Haut und unsere Badehosen.

Bald machten wir uns auf den Weg zurück zu unseren Fahrrädern. Mit lachenden Gesichtern trampten wir zurück nach St. Peterzell.

Wir waren zwischen elf und vierzehn Jahre alt und hatten ein unglaubliches Abenteuer erlebt.

Glücklich sank ich abends in mein Bett, zog das Leintuch weit über den Kopf und träumte vom einsamen Boot im Seealpsee und von meinem Traum, den ich nun einfach gelebt hatte.

So wird im nächsten Jahr ein Traum in Erfüllung gehen, wenn ich zum zweiten Mal am Swissman Extrem Triathlon starten darf.

Mein Team wird auf dem Gotthard einen Risotto kochen und alle, die Lust haben, sind herzlich eingeladen, mich dort anzufeuern. Ich werde zwischen 11:30 und 12:15 den Gotthard passieren.

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