Mikes Place – Idyllwild

von | 25. Mai. 2022 | Allgemein, Pacific Crest Trail PCT

Aus einem riesigen Tank floss das Wasser in den Beutel. Im Beutel steckt der Filter. Ich wusste, das nun während über 30 km keine Wasserstelle antreffen würde. Ich filterte über sieben Liter Wasser. Trotzdem hatte ich grossen Respekt vor diesem Tag.

Es war wieder sehr heiss geworden. Einmal mehr war ich der letzte Hiker, der Mikes Place verliess. Schon von hier aus konnte ich den Weg sehen, der steil am Berg gegenüber nach oben stieg. Die Landschaft veränderte sich nicht mehr gross. Büsche, mal ein Baum, aber viele Felsblöcke, die den Weg säumten.

Nach dem steilen Aufstieg vernichtete ein ebenso kräftiger Abstieg wieder einige hundert Höhenmeter. Ich machte eine Pause. Voller Freude stellte ich fest, dass ich Handyempfang hatte.

Wenn ich jeweils keinen Empfang habe, sende ich mit dem Garmin InReach Mini eine SMS an meine Traumfrau. So weiss sie immer, dass alles in Ordnung ist.

Das InReach kommuniziert über Satellit. Gleichzeit kannst auch du mich tracken und siehst auf 10 Minuten genau, wo ich unterwegs bin:
Garmin InReach Natürlich funktioniert es nur, wenn ich das Gerät eingeschaltet und das Tracking aktivert habe. 🙂

Ich entschloss mich spontan zuhause anzurufen. Schon einige Tage hatten wir uns nicht mehr gehört. Zum Glück habe ich ein richtig gutes Abo, das es mir ermöglicht zu einem fixen Preis, so lange zu telefonieren, wie ich wollte. Nach der Plauderei überkam mich ein Energieschub. Doch 30 Kilometer bei sengender Hitze sind unglaublich weit. Der Weg führte in ein weiteres Tal und eine Hikerin sass im Schatten unter einem Felsen. ‚Hi, I am… !‘ ‚Hi, I’m Tiffany from Oregon! Nice to meet you!‘ Wir kamen ins Gespräch. Tiffany ist Ärztin aus Oregon und hatte nach der ganzen Corona Krise schlicht und einfach die Nase voll. Sie stieg aus! Das Krankenhaus in dem sie arbeitet, hat sie freigestellt und es ihr überlassen, wann sie wieder einsteigen wolle.

Da ich noch weiter wollte, brach ich das Gespräch ab und begann mit dem Aufstieg. Zum Wasser Cache waren es noch ca. 9 km.

Nach einigen Kilometern schloss Bee zu mir auf. Wie am Vortag war sie eine gute Stunde vor mir aufgebrochen, hatte aber eine längere Mittagszeit gemacht und zog an mir vorbei.

Ich hatte noch gut zwei Liter Wasser und es waren inzwischen noch 3 km bis zur Wasserstelle. Die Sonne war bereits unter gegangen, als ich auf einem Sattel ankam. Auf der FarOut App sah ich, dass es nun nur noch 2.2 km bis zum Wasser gehen würde und vor allem war es flach oder der Trail verlief sogar abwärts. Gleichzeitig sah ich, dass nach der nächsten Kurve eine Tentsite war und ich entschloss mich dort zu übernachten.

Als ich ankam fand ich einen wunderschönen Spot mit feinem Sand neben einem grossen Felsen. Ein Zelt stand bereits dort und es war still. Möglichst leise richtete ich mich ein und stellte mein Zelt auf, als ich eine Stimme hörte: ,Is there another Hiker?‘ ‚Yes, it’s me, Hans!‘ ‚Oh, that’s nice, here’s Bee, now we are hikerbuddys! Happy to meat you here. See you tomorrow, sleep well!‘ Ich verpflegte mich kurz, putzte mir die Zähne, wechselte die Kleidung von stinkender Wanderwäsche zu etwas weniger stinkender Merino Schlafwäsche und einige Minuten später schlief auch ich friedlich ein.

Montag, 23. Mai 2022

Es ist jeden Morgen dasselbe. Das Innenzelt erscheint langsam im fahlen Licht, was nichts anderes bedeutet, als das es draussen dämmert. Das Beste wäre es, sich in diesem Moment einfach aufzumachen, um noch einige Kilometer in der kühlen Nachtluft hinter sich zu bringen.

Doch gleichzeitig ist es im Schlafsack kuschelig warm und man hat eine Liegestellung gefunden, die bequem ist. Dann hörte ich aus dem anderen Zelt die typischen Raschel- und Zippgeräusche der Säcke und Reissverschlüsse. Also beginne auch ich mich anzukleiden. Anfänglich hatte ich noch grosse Mühe mich im liegen anzuziehen, bzw. von der weniger stinkenden Merino Nachtbekleidung in die extrem stinkende Wanderkleider zu schlüpfen. Krämpfe schüttelten mich durch oder vor allem die Muskeln im Rumpf wollten nicht, so wie ich! Doch unterdessen geht das ganz passabel.

Irgenwand höre ich ein ‚Bye, see you at the Watertank‘ und die Schritte von Bee entfernen sich.

Dann bin auch ich fertig und mache mich auf den Weg. Nach kurzer Wanderung erreiche ich den Wassertank. ‚Still here 145.4 Miles‘ steht auf einer Tafel. Also schon 232 Kilometer gewandert. Ich filtere fünf Liter Wasser für die restlichen 15 Kilometer, die es – wieder einmal – nur aufwärts gehen soll.

Das Paradise Valley Cafe ist das Ziel. Von dort würde ich einen Hitch Hike nach Idyllwild machen.

Einen Hügel nach dem anderen umrundet hier der Trail. Dann schliesst Tiffany von hinten auf. Ob ich mit ihr vom Paradise Café nach Idyllwild hitchen würde, frägt sie mich. Na klar, das mache ich sehr gerne. Wir wandern jeder unser Tempo. Ich bin einiges langsamer, doch sie wartet immer wieder.

Dann endlich sehen wir den Highway vor uns und finden bald einen Truck, der uns zum Paradise Café fährt. Dort bestellen wir ein kühles Bier, einen Burger und lassen es uns einfach mal gut gehen.

Tiffany hat mit dem Driver abgemacht, dass er uns nach Idyllwild fährt. Pünktlich steht er mit seinem Gefährt vor dem Restaurant und wir wuchten unsere Rucksäcke auf den Pickup. Der Fahrer nennt sich Bobby Lee und unterhält uns während der ganzen Fahrt. Ich verstehe nicht alles, doch die Stimmung ist perfekt.

Nach gut zwanzig Minuten erreichen wir Idyllwild. Coffee steht über einem Haus. Ein Cappuccino ist genau das, was wir jetzt brauchen. Später quartiere ich ich für drei Tage im Idyllwild Inn ein.

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