Die Gemeindeleiterin in der Gallus Kapelle in Arbon schluckte leer und staunte nicht schlecht, welchen Wunsch ich unseren Enkelzwillingen Lynn und Amelie auf den Weg gab.Auf dem Programm der Taufe stand: Fürbitte oder Wünsche der Familie. Meine Tochter Sarah hatte...
Mount Whitney
Die letzten 1.9 Meilen waren knackig. Der Trail windete sich dem Felsen entlang. Es geht über riesige Steinblöcke. Dann sah ich plötzlich das Dach der Schutzhütte. Ich konnte nicht mehr anders und musste einfach schreien!
Ich hatte es geschafft. Ich war auf dem Mount Whitney. Dem höchsten Berg der zusammenhängenden Staaten von Amerika! Es war ein unglaubliches Gefühl. Am 4. Juli, am Nationalfeiertag der Amerikaner, am ‚Independence Day‘ stieg der Toggenburger ‚Thru Hiker‘ auf den Mount Whitney.
Noch am Tag zuvor hatte ich gezweifelt. Ich lag in meinem Schlafsack. Lauschte, was die anderen Hiker erzählten. Die einen würden bereits um Mitternacht losgehen um den Sonnenaufgang auf dem Berg zu geniessen. Andere würden bei ‚Daylight‘ losziehen.
Da machte ich mir eine einfache Rechnung. Die Schwägalp liegt auf 1’352 m. Der Säntis zeigt sich darüber mit 2’502 Metern. Das gab ca. 1’150 Meter Anstieg. Diesen Berg hatte ich während meiner Zeit als Wirt auf dem Säntisgipfel etliche Male ohne Schaden bestiegen.
Das Basislager zum Mount Whitney liegt auf 3’244 m. Der Mount Whitney erhebt sich auf 4’421 m. Ergibt also eine Steigung von 1’177 Metern! Was dem Aufstieg auf den Säntis entspricht!
Mein Entschluss stand fest. Ich würde den Mount Whitney besteigen. Der einzige Unterschied, der meine Rechnung erschwerte, war der Umstand, dass ich auf über 3’200 Metern über Meer starten müsste. Doch ich würde einfach einen langsamen Bergschritt wählen. Mein Vorteil war, dass ich sozusagen einen leeren Rucksack dabei hatte. Nur Wasser, eine kleine Zwischenverpflegung und meine Daunenjacke war mitzutragen.
Also stellte ich meinen inneren Wecker auf drei Uhr in der Nacht. Mein Ziel war es um vier Uhr zu starten. Es klappte wunderbar und in der ersten Dämmerung hatte ich bereits einige Kilometer zurückgelegt und erreichte den Guitar Lake. Da hörte ich Geklapper von hinten und ein männlicher Hiker überholte mich in einem Höllentempo. Bei der nächsten Wasserstelle war er damit beschäftigt zu filtern. Wir kamen ins Gespräch und er stellte sich als ‚Rocket‘ aus Los Angeles vor. Da er beschäftigt war zog ich an ihm vorbei.
Nach wenigen Minuten überholte er mich wieder. Ich kletterte in meinem Tempo weiter und es beschäftigte mich schon lange nicht mehr, wer schneller war als ich.
Nach einigen Metern wanderten auch zwei junge Frauen an mir vorbei. ‚Rocket‘ ging in der nächsten Steigung der Schnauf aus. Es wurde zum Katz und Maus Spiel. Am Ende kamen wir gemeinsam auf dem Gipfel an.
Der Aufstieg war hart. Die dünne Luft verlangte ihren Tribut und volle Konzentration. Auf 4’000 Meter führt auch ein Trail von der anderen Seite auf den Berg.
Da es der 4. Juli und somit Independence Day war schleppten sich etliche Amerikaner auf den Berg.
Als ich ankam, nach dem ersten Freudenschrei, staunte ich Felsklötze. Wahrscheinlich hundert Menschen standen auf dem Gipfel, umarmten sich und strahlten um die Wette. Auf einem Felsen sass ein ganze Gruppe und… telefonierte! Da merkte ich, dass meine Garmin Fenix 6 die ganze Zeit vibrierte und Meldungen, Mails, SMS und WhatsApp aus den vergangenen sechs Tagen eintrafen. Es gab also tadellosen Empfang.
Ich stellte mich abseits und rief sofort meine Traumfrau an. Sie war total überrascht. Ich konnte nicht sprechen. Tränen rollten über meine Wangen. Total überwältigt war ich froh, dass die Verbindung abbrach. Noch heute spüre ich diese unbändige Freude.
Dann schrieb ich meinen Kindern und setzte mich auf den Felsen auf dem ‚Rocket‘ vorher die längste Zeit in sein Handy gequatscht hatte. Nun war der Empfang perfekt und ich genoss es unendlich die Stimme von Heike zu hören.
Nach den obligaten Selfies und Fotos nahm ich den Abstieg unter die Füsse. Es ging mir oben auf dem Berg nicht gut. Ich hatte Kopf- und Bauchschmerzen. Mit jedem Meter erholte ich mich. Doch während dem Abstieg spürte ich eine unbeschreibliche Energie und ich konnte die einer oder andere Freudenträne nicht verklemmen.
Genau zwölf Stunden nach meinem Aufbruch kam ich im Basislager an. Ich legte mich auf meine Luftmatratze und schlief ein. Eine Stunde später erwachte ich. Zusammen mit den weiteren Hiker der Gruppe sass ich im Kreis. Wir kochten und quatschten über diesen einen Tag!
Schon lange nicht mehr schlief ich mit so einem guten Gefühl und voller magischer Energie ein.
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